Friedrichstadt trauert um seinen Bürgermeister
Tobias Tietgen im Alter von 53 Jahren verstorben
Friedrichstadt – Die Holländerstadt an Eider und Treene hat ihren Bürgermeister verloren. Tobias Tietgen verstarb am Freitagabend, dem 17. Januar 2026, nach schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie und engster Freunde. Er wurde 53 Jahre alt.
Seit 2023 führte Tobias die Geschicke der historischen Stadt mit rund 2.500 Einwohnern. In dieser intensiven Zeit prägte er als SPD-Politiker das kommunalpolitische Leben Friedrichstadts durch seine besondere Art: zugänglich, lösungsorientiert und trotz seiner Erkrankung stets positiv.
Ein Bürgermeister zum Anfassen
„Tobias war eigentlich immer dabei und überall in der Stadt anzutreffen“, erinnert sich Doreen Stümpel, Ratsfrau und Parteifreundin. Ob beim traditionellen Anbaden im Treenebad im Januar, beim Müllsammeln im Frühjahr, bei Stadtveranstaltungen im Sommer oder als Redner auf der Seniorenweihnachtsfeier – Tobias lebte seine Verbundenheit mit der Stadt und ihren Menschen. „Das ging weit über seine Amtspflicht hinaus“, betont Stümpel. „Er liebte das Leben in dieser kleinen lebendigen Stadt und seine Bewohner, das spürte man.“
Diese Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern zeigte sich auch in seiner Bereitschaft zum direkten Dialog. Als die Unternehmergemeinschaft ihn zu ihrer Jahreshauptversammlung einlud, nahm er sofort an und stellte sich allein allen Fragen. „Er verdiente sich dabei Respekt für seine ehrlichen Antworten“, erinnert sich Stümpel.
Leise bewirken, viel erreichen
Walter Reimers, Fraktionsvorsitzender der SPD-Fraktion Friedrichstadt, hatte Tobias über die politische Tätigkeit kennengelernt: „Wir waren fast immer einer Meinung und konnten gut zusammenarbeiten. Besonders hat mich sein Arbeitswillen und sein Fachwissen beeindruckt und auch die Fähigkeit, über den Tellerrand hinauszuschauen.“
Doreen Stümpel hebt zudem eine besondere Qualität des Verstorbenen hervor: „Was ich vor allem von ihm gelernt habe ist, dass man in der Kommunalpolitik auch leise etwas bewirken kann.“ Die Liste der Projekte, die unter seiner Mitwirkung realisiert wurden, ist beeindruckend: Die Straßeneinfahrt am Eiland wurde wieder ermöglicht, ein neuer Badesteg errichtet, die Lüttje Brüch saniert und eingeweiht, die Feuerwehr kehrte in die Freiwilligkeit zurück, eine neue Kanuanlegestelle entstand und die neue Turnhalle wurde eröffnet.
„Sicher ist all das nicht der Verdienst eines Einzelnen“, räumt Stümpel ein, „aber Tobias hatte sehr, sehr großen Anteil am Gelingen all dieser Projekte. Er brachte die Leute zusammen, unterstützte vor Ort, suchte immer nach Wegen, es möglich zu machen.“
Positive Kraft trotz schwerer Krankheit
Besonders beeindruckend war Tobias Haltung angesichts seiner schweren Erkrankung. Walter Reimers: „Als Mensch war er trotz seiner vorhandenen Krankheiten immer gut gelaunt und positiv.“ Diese Einstellung wurde zur Inspiration für viele, die mit ihm zusammenarbeiteten.
In einem Podcast-Interview im November 2024 sprach Tobias offen über seine Krankheit und darüber, wie er es schaffte, trotz der Belastungen mit voller Leidenschaft Bürgermeister zu sein. Seine Devise, die Doreen Stümpel in Erinnerung behalten wird: „Nütscht ja nix, da müssen wir ran!“ – eine typisch norddeutsche Art, Herausforderungen anzunehmen.
Mit seiner ruhigen, diplomatischen Art konnte Tobias hitzige Diskussionen innerhalb der Fraktion in sachliche Fahrwasser lenken. „Das war eindrucksvoll“, sagt Doreen Stümpel. „Ich werde ihn unglaublich vermissen.“
Tief verwurzelt in Friedrichstadt
Tobias war nicht nur als Bürgermeister aktiv. Er gehörte seit vielen Jahren der Friedrichstädter Rudergesellschaft an, in der bereits sein Vater Günther Tietgen als Ehrenvorsitzender eine prägende Rolle gespielt hatte. Diese tiefe Verwurzelung in der Stadtgesellschaft machte ihn zu einem authentischen Vertreter Friedrichstadts.
Als stellvertretender Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Friedrichstadt engagierte sich Tobias auch über sein Amt hinaus für die politische Arbeit in der Region. Dr. Perry Lange, Ortsvereinsvorsitzender und Kreistagsabgeordneter, würdigt ihn als „guten Freund, verlässlichen Weggefährte und engagierten Mitstreiter“.
Ein Erbe für die Zukunft
Unter Tobias Führung stand Friedrichstadt vor großen Herausforderungen: leere Kassen, dringende Investitionen und das ambitionierte „Dekadenprojekt“, bei dem die Gewoba 900 neue Einwohner in die historische Holländerstadt bringen könnte. Mit Fachwissen, Weitblick und seiner charakteristischen positiven Herangehensweise hatte er Wege gesucht, diese Aufgaben zu bewältigen.
„Sein politisches Handeln war stets getragen von dem Wunsch, unsere Stadt sozial gerecht, lebenswert und zukunftsfähig zu gestalten“, so Dr. Perry Lange. „Innerhalb unseres Ortsvereins war er eine wichtige Stimme, ein kluger Ratgeber und ein Mensch, der andere mitzunehmen verstand.“
Letzte Ehre
Die Stadt Friedrichstadt, der SPD-Ortsverein und viele Bürgerinnen und Bürger werden Tobias ein ehrendes Andenken bewahren. „Er hinterlässt eine große Lücke – in Friedrichstadt, in unserem Ortsverein und in unseren Herzen“, schreibt Dr. Perry Lange im Namen der SPD.
Tobias Tietgen wurde am 2. September 1972 geboren. Er hinterlässt seine Familie und eine Stadt, die ihm viel zu verdanken hat.
Friedrichstadt, gegründet 1621 durch Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf als Stadt der Toleranz und Religionsfreiheit für niederländische Glaubensflüchtlinge, hat mit Tobias Tietgen einen Bürgermeister verloren, der diese Tradition der Offenheit und des Miteinanders in die heutige Zeit trug.

Perry Lange, Vorsitzender
Auch seine Parteigenossen des Ortsverbands erinnern sich an Tobias:
Doreen Stümpel:
Ich habe Tobias eigentlich erst mit dem Eintritt in die SPD vor 4 Jahren kennengelernt. Schnell ist er mir nicht nur ein Parteigenosse, sondern auch ein echter Freund geworden. Seine ganz große Stärke war seine positive Herangehensweise an all die politischen Herausforderungen, die sich uns stellten: „Nütscht ja nix, da müssen wir ran!“, war oft seine Devise. Mit seiner ruhigen, diplomatischen Art hat er hitzige Diskussionen innerhalb der Fraktion so manches Mal wieder in sachliche Fahrwasser lenken können. Was ich vor allem von ihm gelernt habe ist, dass man in der Kommunalpolitik auch leise etwas bewirken kann. Plötzlich war die Straßeneinfahrt am Eiland wieder möglich, es gab einen neuen Badesteg, die ‚Lüttje Brüch‘ wurde saniert und eingeweiht, die Feuerwehr ging tatsächlich wieder zurück in die Freiwilligkeit, die Kanuanlegestelle war endlich da, die neue Turnhalle wurde eröffnet…
Sicher ist all das nicht der Verdienst eines Einzelnen, aber Tobias hatte sehr, sehr großen Anteil am Gelingen all dieser Projekte. Er brachte die Leute zusammen, unterstützte vor Ort, suchte immer nach Wegen, es möglich zu machen. Und das alles fast immer mit guter Laune. Das war eindrucksvoll!
Er scheute nie den Kontakt und das Gespräch. Die Einladung von der Unternehmergemeinschaft nahm er bspw. sofort an und stellte sich auf deren Jahreshauptversammlung allein allen Fragen und verdiente sich dabei Respekt für seine ehrlichen Antworten.
Tobias war eigentlich immer dabei und überall in der Stadt anzutreffen: ob beim Anbaden im Treenebad im Januar, ob als Gast im Wintercafé des Netzwerkes, beim Müllsammeln im Frühjahr, bei den Stadtveranstaltungen im Sommer, ob auf Schützenturnieren, Kulturveranstaltungen, bei Ruderregatten, beim offenen Adventskalender oder als Redner auf der Seniorenweihnachtsfeier …das ging weit über seine ‚Amtspflicht‘ hinaus – er liebte das Leben in dieser kleinen lebendige Stadt und seine Bewohner, das spürte man.
Ich werde ihn unglaublich vemissen.
Walter Reimers:
Ich habe Tobias über die politische Tätigkeit kennen und schätzen gelernt. Wir waren fast immer einer Meinung und konnten gut zusammenarbeiten.
Besonders hat mich sein Arbeitswillen und sein Fachwissen beeindruckt und auch die Fähigkeit, über den Tellerrand hinauszuschauen. Er war immer ansprechbar und hat Lösungen parat gehabt. Als Mensch war er trotz seiner vorhandenen Krankheiten immer gut gelaunt und positiv.
Sebastian Kahlcke:
Tobias war für uns alle weit mehr als ein Parteigenosse, er war ein verlässlicher Freund und ein Fels in der Brandung. Was mir fehlen wird, ist nicht nur seine enorme Fachkompetenz und sein jahrzehntelanges Engagement für Friedrichstadt, sondern vor allem sein Wesen: Sein ansteckendes Lachen, seine Geselligkeit und sein unverwechselbarer Humor.
Tobi brachte Dinge auf den Punkt, weil ihm die Sache und das Ergebnis wichtig waren. Er hatte das Herz am rechten Fleck und setzte sich bis zuletzt mit bewundernswerter Kraft für das Gemeinwohl ein. Wir verlieren einen feinen Menschen, dessen Rat und Wärme in unserer Fraktion schmerzlich fehlen werden.









